Ein Podcast-Abend mit Thies Marsen
Im Rahmen der Max-Mannheimer-Kulturtage 2026 stellte der BR-Reporter und Redakteur Thies Marsen („Alles Geschichten“ BR) seinen zweiteiligen Podcast vor, der in Bayern 2 ausgestrahlt wurde. Veranstalter war Mut & Courage Bad Aibling Bad Aibling e. V. Das Auditorium war voll besetzt, zusätzliche Bänke mussten bereitgestellt werden.
Begrüßt wurden die Gäste von Irene Durukan (Mut & Courage e.V. ) und Susanne Poelchau (Produktionsleitern BR) Neben Marsen wirkten Thomas Morawetz („Alles Geschichte“ BR) sowie Susanne Poelchau mit.
Marsen präsentierte eine gekürzte Fassung seines insgesamt zweistündigen Podcasts und führte durch den Abend mit Erläuterungen, Einordnungen und Audioeinspielungen aus der Produktion.
Ausgangspunkt: Eine Behauptung
Im Zentrum steht eine Aussage von Marsens über hundertjähriger Großmutter Karoline Rudolph. Sie behauptet, die Aktentasche besorgt zu haben, in der am 20. Juli 1944 die Bombe explodierte, die von Claus Schenk Graf von Stauffenberg beim Attentat auf Adolf Hitler deponiert wurde. Karoline Rudolph war die Ehefrau von Walter Rudolph, Offizier im Generalstab der Wehrmacht.
Marsen begegnet dieser Erzählung zunächst mit großer Skepsis. Sein Verhältnis zur Großmutter ist ambivalent, auch aufgrund ihrer irritierenden Ansichten über Juden. Dennoch lässt ihn die Geschichte nicht los – er beginnt zu recherchieren.
Die Recherche
Marsen befragt Verwandte, sichtet zahlreiche Briefe, die sein Großvater von den Kriegsschauplätzen an seine Frau schrieb, recherchiert im Institut für Zeitgeschichte in München und spricht mit Historikern. Die Suche nach der Aktentasche wird dabei zu einer umfassenden Spurensuche nach der Rolle seines Großvaters im Krieg.
Klar ist: Walter Rudolph war am 20. Juli 1944 vor Ort.
Wahrscheinlich ist, dass er Mitwisser der Attentatsvorbereitungen war.
Sicher ist, dass seine Frau ihm eine Ledertasche besorgt hat.
Unklar bleibt, ob es sich dabei um jene Tasche handelte, in der die Bombe transportiert wurde.
Gleichzeitig zeigt die Recherche eine andere Dimension: Rudolph war als Offizier im Generalstab Teil der militärischen Führungsstruktur der Wehrmacht. Marsen beschreibt ihn als „Kriegsverbrecher vom Schreibtisch“. Die Spur, der er folgt, ist keine Widerstandsgeschichte, sondern eine Blutspur der Wehrmacht.
Ein konkreter Nachweis persönlicher Beteiligung an Verbrechen gelingt nicht. Ab September 1944 ist Rudolph jedoch nicht mehr im Generalstab. Er wird an die Ostfront versetzt, gerät in russische Gefangenschaft und stirbt mit 31 Jahren an Diphtherie. Er kehrt nicht nach Hause zurück.
Der Abend
Der Vortrag verband persönliche Familiengeschichte mit historischer Recherche. Audioeinspielungen aus dem Podcast – darunter Gespräche mit der Großmutter und der Mutter – machten die innere Spannung zwischen familiärer Überlieferung und historischer Einordnung hörbar. Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde. Viele Beiträge aus dem Publikum bezogen sich auf die kaum erfolgte Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus in zahlreichen Familien. Die Diskussion zeigte, wie stark das Thema bis heute nachwirkt.
Der Abend machte deutlich, wie aus einer einzelnen Behauptung eine vielschichtige historische Untersuchung werden kann – und wie eng private Erinnerung und deutsche Geschichte miteinander verwoben sind.






