„Zwischen Hass und Haltung“

Musikalische Lesung mit Derviş Hizarci und Ibou Kalaama & Band

Am 1. Februar 2026 lud der Kreis Migration Bad Aibling e.V. zu einer besonderen Veranstaltung ein: einer musikalischen Lesung unter dem Titel „Zwischen Hass und Haltung“.

Begrüßt wurden die Gäste von Michael Beer vom Vorstand der Max Mannheimer Kulturtage e.V. sowie von Barbara Kleeblatt vom Kreis Migration Bad Aibling e.V. Die Musik von Ibou Kalaama & Band begleitete die Lesung über den gesamten Abend hinweg und schuf einen emotionalen Resonanzraum für die Texte und Gedanken.

Persönliche Erfahrungen als gesellschaftlicher Spiegel

Im Zentrum stand Derviş Hizarci, Vorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus und Autor des Buches „Zwischen Hass und Haltung“. Ausgehend von eigenen Erfahrungen machte er deutlich, wie tief Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung in alltägliche Situationen hineinwirken.

Besonders eindrücklich ist eine Passage aus seiner Biografie: Beim Feiern des WM-Sieges der deutschen Fußballnationalmannschaft 2006 geriet Hizarci mit zwei Freunden in eine Polizeikontrolle. Die Frage „Wer seid ihr, dass ihr euch für Deutschland freut?“ – obwohl alle drei in Deutschland geboren sind – ließ die Euphorie schlagartig verstummen. Eine Vorfelder zeigt, wie Zugehörigkeit in Frage gestellt wird und Ausgrenzung zutiefst verletzt.

Hizarci differenziert: aber: Es gebe viele engagierte und reflektierte Polizist*nnen. Gleichzeitig sei nicht zu leugnen, dass es ein strukturelles Rassismusproblem gebe – aktuell stünden bundesweit mehr als 400 Polizeibeamt*innen unter Rassismusverdacht. „Dabei ist es die Aufgabe der Polizei, uns vor Rassismus zu schützen“, so Hizarci.

Haltung lernen – konkret und alltagsnah

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends liegt auf dem Umgang mit Antisemitismus und Ausgrenzung im schulischen Kontext. Anhand von Textstellen aus seinem Buch zeigt Hizarci auf, wie Pädagog*innen reagieren können, wenn Begriffe wie „Du Jude“ als Schimpfwort benutzt werden oder wenn scheinbar harmlose, aber belastete Fragen wie „Woher kommst du?“ gestellt werden.

Er spricht Konzepte wie Widerspruchstoleranz und Paradoxintervention an und macht deutlich, wie sehr bereits Vornamen – etwa „Derviş“ – Zuschreibungen auslösen können. Integration, so Hizarci, sei immer eine Gleichung mit zwei Seiten: Dem Vorwurf mangelnden Integrationswillens stünden abwertende Politikeraussagen und reale Ausgrenzung gegenüber.

Empathie als Schlüssel

Immer wieder kehrt Hizarci zu seiner zentralen Botschaft zurück:

Empathie, Differenzierung und das Gespräch auf Augenhöhe sind der Schlüssel, um Diskriminierung entgegenzutreten.

Antisemitismus, Rassismus und fremdenfeindliche Haltungen ließen sich nicht durch Vereinfachung oder Schweigen überwinden, sondern nur durch Beziehung, Dialog und das bewusste Herstellen von Verbindung zwischen Betroffenen und jenen, die diskriminieren.

Hizarci, geboren in Berlin-Neukölln, war Lehrer, Antisemitismusbeauftragter für Schulen und engagiert sich heute sowohl gegen Antisemitismus als auch gegen islamistischen Extremismus. Seine Eltern, die aus der Türkei stammen, hätten ihm früh eine Haltung mitgegeben, die er an diesem Abend eindrucksvoll vermittelte: „Halte die andere Wange hin – aber verliere dabei nicht deine Haltung.“

Ein stimmiger Rahmen

Für das leibliche Wohl sorgte das Café FRIENDS-Team mit köstlichen Häppchen, Wein und erfrischenden Softdrinks – ein aufmerksamer und herzlicher Rahmen für diesen intensiven Abend.

Unser Dank gilt Derviş Hizarci für seine Klarheit, Offenheit und Haltung sowie Ibou Kalaama & Band für die musikalische Tiefe an diesem Abend.